Reimahg
(Reichsmarschall
Hermann Goering Werke)

Folgen
wir der B 88 von Kahla nach Rudolstadt erreichen wir kurz hinter Kahla den Ort,
Grosseutersdorf. Dieser Ort spielt in der Geschichte des Untergrundprogrammes
eine grosse Rolle. Wenn wir durch den Ort fahren sehen wir keine Hinweise mehr
dass sich hier eine Anlage befindet die eine technische Meisterleistung des
Untergrundprogrammes darstellt. Wir
befinden uns hier vor der ehemaligen Untergrundfabrik Reimahg (Reichsmarschall Hermann Goering Werke) in
der bis zum Kriegsende das revolutionäre Duesenjagdflugzeug Me 262 gebaut wurde.
Es war die einzige Untergrundanlage die eine eigene Startbahn besass auf der die
hier produzierten Flugzeuge starten konnten.
Dieses
grosse hier im Walpersberg errichtete Projekt, sollte bei seiner Fertigstellung,
eine Flaeche von 250.000 qm aufweisen. Der Walpersberg hat eine Hoehe von 122 m.
Der untere Teil des Berges bestand aus einem leichtfarbenen Sandstein, der
verschiedener Haerten aufwies. Ueber dieser Sandsteinschicht lag eine andere
braune haertere Sandsteinschicht. Von unseren Augen verborgen befand sich eine
1.250 m lange Startbahn auf dem Plateau des Berges. Von hier starteten die hier
produzierten Flugzeuge. Problematisch gestaltete sich der Start der Flugzeuge,
da die Startbahn in der Mitte hoeher lag, als an beiden Enden. Ein Start konnte
nur mit zusaetzlicher Raketenhilfe bewerkstelligt werden, um die Flugzeuge von
hier auszufliegen.
Im oestlichen und westlichen Teil des Berges, befanden sich schon seit laengerer Zeit Stollen, in denen die Kahla Porzellan AG, Quarzsand fuer ihre Produktion abgebaut hatte. Schon seit 1897 wurde hier Feldspatsand abgebaut. Der Abbau erfolgte in einem schachbrettartigen stehenlassen von Pfeilern. Die Strecken waren zwischen 3 bis 4 m breit und 3 m hoch. Die Staerke der stehengebliebenen Pfeiler betrug 5 bis 10 m. Die Abdeckung der Anlage betrug zwischen 30 bis 60 m.
Schon
seit April 1944 begann der Ausbau der Anlage durch die Reimahg. Geplant waren 3
Fahrstollen. Die Fertigungsraeume sollten zwischen 70 - 150 m lang werden.
Geplant wurde zuerst der Ausbau von 12.000 qm Nutzflaeche. Schon am 10. August
1944 waren 5.000 qm Flaeche bezugsfertig. In Anlehnung an die Grubenbaue der
Grube Kahla wurde in der Sandlagerstaette ein Fertigungsgebiet von weiteren
90.000 qm Grundflaeche neu erschlossen. In streichender Richtung sollten
parallel zu einander drei Fahrstollen mit einer Breite von 4 m und einer Hoehe
von 3,5 m, ein Eisenbahnstollen für ein Reichsbahn-doppelgleis 9,6 m breit und 5
m hoch, sowie 2 Verbindungswege 2 m breit und 2 m hoch aufgefahren werden.
Zwischen diesen 5 parallelen Strecken sollten Fertigungsraeume von je 250 m
Laenge, die in der Regel 6 m breit und 3,5 m hoch waren. Teilweise wurden sie
bis zu 9 m breit und 3,5 m hoch und zu einem geringeren Teil 15 m breit und etwa
8 m hoch (Kranhallen), aufgefahren. Die Auffahrung dieser Fertigungsraeume
sollte von 16 Tagesoeffnungen aus erfolgen. Saemtliche Raeume wurden zunaechst
mit einem Querschnitt von 3 m Breite und 2,5 m Hoehe begonnen und spaeter auf
die fertige Groesse erweitert. Die Bauleitung hoffte das die Fertigungsraeume
bis zu einer Breite von 6 m ohne Verstaerkungen errichtet werden konnten. Die
geplanten 9 m breiten und auch die breiteren Raeume sollten von vornherein
ausgebaut und verstaerkt werden.
Im
Durchschnitt wurden pro Tag 4 m Stollen fertiggestellt. Spitzenleistungen von
bis zu 7 m Laenge wurden erreicht. Die Arbeitsorte waren mit je 10 Mann besetzt,
davon waren 2 Bergleute. An dem unter den Namen "Lachs" bekannten Projekt
arbeiteten am 17. Juli 1944 insgesamt 3.500 meist auslaendische Arbeiter. 700
Mann waren zusammen mit 60 Bergleuten Untertage beschaeftigt. Am 26. Juli 1944
arbeiteten Untertage hoechstens 1.000 Mann und 2.000 weitere Arbeiter waren an
den anderen Bauarbeiten beschaeftigt. Bei einem vollen Fertigungsbetrieb sollten
6.000 Mann beschaeftigt werden. Bis zum 26. Juli 1944 wurden dem Projekt 4.000
Mann meistens Auslaender als Arbeitskraefte
zugewiesen.
Die
Bauleitung lag in den Haenden der Gustloff Werke in Weimar. Die
Untertagearbeiten wurden von der Firma Dickhoff und Wiedmann durchgefuehrt. Die
bergmaennische Beratung erfolgte durch den bekannten Bergwerksdirektor
Dipl.-Ing. Vorsatz von der Thueringer Rohstoff A.G. An der Planung wirkte auch
Prof. Deubel von der Dienststelle Jena des Reichsamtes fuer Bodenforschung mit.
Ein geheimer Bericht des Bergamts Weimar vom 26. Juli 1944 berichtet das
urspruenglich 20.000 qm Flaeche vorhanden waren, die aber wegen zu geringer
Abdeckung zum Teil nicht ausnutzbar waren. Hergerichtet waren jetzt aber 6.000
qm Grundflaeche. Falls keine wesentlichen Aenderungen durchgefuehrt wurden
sollten insgesamt 120.000 qm Nutzflaeche entstehen. 13 Ventilatoren sorgten fuer
Frischluft in der Anlage.
Am
25.7.1944 zeigten die Plaene der Anlage eine
nutzbare Grundflaeche von 140.000 qm. Fuer die einzurichtende Motorenfertigung
war eine Flaeche von 47.000 qm und für die Zellenfertigung 93.000 qm Nutzflaeche
vorgesehen. Maschinen fuer die Fertigung sollten von der Netzschkauer
Maschinenfabrik geliefert werden.
Der
oestliche Teil des Schachtes hatte eine Flaeche von 30.000 qm. Die Stollen lagen
zwischen 64 und 70 m unter dem Plateau des Berges. Der westliche Teil der Anlage
besass eine Flaeche von 18.000 qm und die Stollen lagen 98 m unter dem Plateau.
Durch ein Netz neu angelegter Stollen, mit einer extra Flaeche von 205.000 qm,
sollten das oestliche und das westliche Stollensystem verbunden werden, um so
eine der groessten unterirdischen Anlagen zu schaffen. Die Abdeckung der Stollen
wurde im Osten durch 58 m und im Westen durch 94 m starken Sandstein
gewaehrleistet. Die Produktion im oestlichen Stollensystem wurde begonnen.
Andere Stollen waren bei Kriegsende fertiggestellt und konnten fuer
Fertigungszwecke genutzt werden.
Dr.
Helmut Steinmann war der Produktionsleiter der Anlage. Auf Initiative des
thueringischen Gauleiters Sauckel war dieses Werk entstanden. Sauckel versprach
Goering ein bombensicheres Werk zu errichten, das monatlich 1.000 Flugzeuge
produzieren konnte. Die Gustloff Werke, Weimar, mit verschiedenen kleineren
Firmen bauten diese Anlage aus. Die Gustloff Werke kauften die ausgebombten, zum
A.E.G. Konzern gehoerenden AGO Flugzeugwerke, Oschersleben und verlegten die
Produktion nach Grosseutersdorf. Die neue Anlage erhielt den Namen
Reichsmarschall Hermann Goering Werke oder kurz Reimahg. Bis zum Oktober 1944
sollen in der Anlage Teile fuer das Jagdflugzeug FW 190 produziert worden sein.
Die Amerikaner fanden Teile einer FW 190 als sie die Anlage besetzten. Im
Oktober wurde dann begonnen die Produktionsanlage umzuruesten um hier das neue
Duesenjadgflugzeug die Me 262 zu produzieren. Der Zusammenbau sollte in 4
riesigen Hallen erfolgen, die in der Anlage
aus dem Felsen gebrochen wurden. Diese Hallen waren bei Kriegsende noch nicht
fertiggestellt. Der Zusammenbau der
Flugzeuge erfolgte deshalb in Holzbaracken die mit Beton umgeben waren, um sie
so bombensicher zu machen. Ein großer Bunker,
der Bueros, Konferenz- und Wachraeume enthielt, befand sich in der Naehe der
Holzbaracken. Von hier wurden die Flugzeuge zu einem Schraegaufzug gefahren, der dieFlugzeugeauf das Plateau des Berges zu der sich dort
befindenden Startbahn brachte. Dadurch das die volle
Produktion in der Anlage noch nicht angelaufen war, mussten Triebwerke von
Junkers, Fahrwerke von Opel und Zellen angeliefert werden, die dann in der
Reimahg Anlage montiert wurden. Geplant war die volle Produktion im Juni 1945
anlaufen zu lassen. Wenigstens 15 Flugzeuge konnten trotz aller Schwierigkeiten
fertiggestellt und von der Startbahn aus zum Jagdgeschwader 7 geflogen
werden.
Der
Plan sah vor 74 Stollen anzulegen, die im rechten
Winkel zum Hang des Walpersberges verliefen. Diese 74 Stollen mündeten an ihren
Äußeren Enden in 2 Fahrstollen. Eingaenge
befanden sich in diesen Fahrstollen. Weiter wurde geplant 3 weitere Fahrstollen
anzulegen, die die Anlage in weitere Teile zerlegte. Die ersten 20
Produktionsstollen waren Verlaengerungen des alten oestlichen Stollensystems.
Der weiche Sandstein lies es nicht zu, die Stollen ohne Abstuetzung breiter als
6 m auszubauen. Tunnel Nr. 33 - 36 waren 15
m breit um dort den Zusammenbau der Flugzeuge durchzufuehren. Eine spezielle
Konstruktionsmethode musste in diesen Stollen angewendet werden. Die Stollen Nr.
46 - 48 im westlichen Teil der Anlage sollten eine Weite von 8,5 m
erhalten.
Allierte Aufklaerungsfotos die am 9. Maerz aufgenommen wurden
zeigten zwei Me 262auf der Plattform des Schraegzufzuges und eine Maschine am
unteren Ende des Aufzuges. Dadurch das die Montagehallen in der Anlage
nicht fertiggestellt werden konnten bevor die Produktion (Bunker 4) anlief musste eine
Notloesung gefunden werden. Das Baubuero fand eine schnelle Loesung. Die
errichteten Holzbaracken wurden mit Beton verkleidet und so bombensicher
gemacht. Drei der vier (Bunker 1 )Reimahg Bunker (Werkstatt 1) wurden so errichtet.
Die Barracken wurden mit einer Holzform umkleidet und mit Stahlbeton ausgegossen
(Bunker 2). Die Idee dazu (Werkstatt 1) die Gebaeude (Bunker 2) so zu sichern Kam von Gauleiter
Sauckel. Nur der grosse Bunker 0 war
als ein Bunker entworfen worden.
Rund
um die Anlage wurden Barackenlager errichtet in denen die Zwangsarbeiter
hausten. Die Anlage wurde von den Amerikanern1945 besetzt und dann von den Russen
uebernommen, die die Anlage komplett demontierten. Nach der Demontage sollte die
Anlage gesprengt werden, was aber unterblieb.
Es
wurde ruhig um die Anlage. Als im Jahre 1972 das Komplexlager 22 bei Rothenstein
von der NVA in Betrieb genommen wurde, wusste man
schon das die dortige Flaeche nicht ausreichte um das im Ernstfall benoetigte
Material hier zu lagern um zum Beispiel die 4. mot. schuetzendivision
auszuruesten.. Man erinnerte sich der ehemaligen Anlage hier in Grosseutersdorf. Ein Drittel der Anlage
wurden in den Jahren 1982 - 1988 wieder in Stand gesetzt und als Teilelager 1
von der NVA in Betrieb genommen. Die Anlage hatte
eine Flaeche von 11.000 qm. Bei der Wiedervereinigung ging die Anlage in die
Haende der Bundeswehr ueber und wurde schon eine kurze Zeit spaeter
geschlossen.
Viel wurde ueber diese Anllage seit Ende des Krieges
geschrieben. Leider sind darunter auch Sachen die nicht unbedingt der
Wahrheit entsprechen und nicht belegt werden koennen. Das gleiche
muss ueber Berichte ueber die Me 262 gesagt werden. Da wird vom Versagen
der Fahrwerke gesprochen, und von vielen nanderen Gruenden die eine
rechtzeitige Produktion verhinderten. Eine so hochentwickelte Flugzeugindiustrie
wie die Deutsche waehre ohne weiters in der Lage gewesen ein Fahrwerk zu bauen,
das den Anspruechen genuegen wuerde. Man vergisst immer wieder dass das grosse
Problem die BMW Triebwerke und der Treibstoffmangel waren.
Eine
aqusfuehrliche Beschreibung der Anlage ist erhaeltlich in unserem Buecherkatalog
hier auf dieser Seite.